Eine Karte für Istanbul

Der Zugang zum öffentlichen Verkehr und nicht ganz einfach zu bekommen. Dürfen wir vorstellen: Die Istanbul Card.

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Istanbul, die Stadt am Bosporus und Tür zu Asien. Aber auch die Stadt mit einer etwas eigenwilligen Zugangskarte für den öffentlichen Verkehr: die Istanbul Card. Klingt nicht gerade wichtig genug für einen Blogeintrag. Und hätte sich die folgende Geschichte nicht in gleich zwei, leicht frustrierenden, Begebenheiten ereignet, hätte der Verfasser in der Hitze des Gefechts wohl auch nicht gross angekündet darüber zu schreiben. So aber kommt der geneigte Leser in den zweifelhaften Genuss dieser kleinen Episode unserer Reisefreuden.

Teil I
Nach einer nicht sehr erholsamen Nacht im Bus von Sofia nach Istanbul kommen wir morgens um 7 am Busbahnhof an. Es ist der grösste seiner Art, den wir auf unserer bisherigen Reise angetroffen haben. Unser Ziel ist einer der vier Flughafen in Istanbul und natürlich ist es jener, der am weitesten entfernt ist... Wir machen uns also auf zur Metro Station, um einen Weg dorthin zu finden. Sofort werden wir energisch angesprochen und ein Mitarbeiter erklärt uns eifrig, welche Möglichkeiten wir haben. Als wir diese kurz besprechen wollen, geht ihm dies zu lange und er beginnt von vorne. So werden uns die verschiedenen Wege rund fünf Mal erklärt, bevor wir uns daran machen ein Ticket für den ersten Teil dieser Reise zu kaufen. Wir heben das erste Mal türkische Lira ab und er macht den Rest. Das ging ja mal einfach.

Nach einer ersten Fahrt mit der Metro brauchen wir nun ein Ticket für den Zug, bevor wir dann später wieder auf eine Metro umsteigen müssen. Schnell ist ein Ticketautomat ausgemacht und wir probieren unser Glück. Unsere 50 Lira (etwas mehr als 3 Franken) will dieser jedoch nicht schlucken. Nach einigem Probieren werden wir von einem Passanten aufgeklärt, dass die Automaten maximal 20 Lira nehmen. So kleines Geld gab haben wir natürlich nicht. Zum Glück hat es auch hier wieder sechs Bankomaten und so heben wir mehrmals 40 Lira ab, um an kleine Noten zu kommen. Zurück beim Ticketautomaten stellen wir ernüchtert fest, dass es aber auch kein Retourgeld gibt, bei 23 Lira Ticketpreis wird dies schwierig. Ein weiterer Passant gibt uns den Tipp, in einem Geschäft zu tauschen. Wir steigen also die Treppen hoch, um ein solches ausfindig zu machen. Vor uns liegt eine vierspurige Strasse, die uns von jeglichen Läden trennt. Unsere Geduld ist, wohl auch der Müdigkeit geschuldet, endgültig am Ende und wir entschliessen uns, ein Taxi zu nehmen. Eineinhalb Stunden fahrt für 20 Franken. Wir leisten uns den Luxus.

Teil II
Nach einem Abstecher in die Schweiz sind wir zurück in Istanbul und machen uns auf, um die Stadt zu erkunden. Dafür wollen wir den öffentlichen Verkehr nutzen, wofür sich eine "Istanbul Card" empfiehlt, die aufgeladen werden kann und mit der sämtliche Verkehrsmittel genützt werden können. Wir versuchen es noch einmal in einer Metro Station. Wir stehen am Informationsschalter an. Als wir drankommen, erklärt man uns, dass die Karte nur am Automaten bezogen werden könne. Eine Treppe weiter unten findet sich ein solcher. Dieses mal sind wir mit genügend Kleingeld ausgestattet, man lernt ja. Nach einigem hin und her - die Spracheinstellungen, wie auch unsere Türkischkenntnisse lassen zu wünschen übrig - gelingt es uns zwei Karten zu kaufen und diese sogar noch aufzuladen. Ein gutes Gefühl.

Die Glücksgefühle verfliegen aber schnell wieder, als es am Drehkreuz rot aufleuchtet. Was ist jetzt schon wieder falsch? Ein Mitarbeiter erklärt uns, dass die Karte zuerst noch mit einem HES Code (den man bei der Einreise erhält) verknüpft werden müsse. Danke Corona. Als zurück an den Informationsschalter und erneut anstehen. Dann die Info, dass dies hier leider nicht gemacht werden könne, aber auf dem Platz oben stehe ein blauer Bus, wo uns geholfen werde. Wir machen uns auf, um besagten Bus zu finden. Dies gelingt uns nicht und auch die Polizei kann uns nicht weiterhelfen. Noch einmal zurück zum Informationsschalter, wieder anstehen. Der Bus sei vorhin noch da gewesen, sei jetzt aber wohl schon weg, wird uns da beschieden. Nicht gerade eine grosse Hilfe. Dieses Mal werden wir an ein Tourismusbüro verwiesen. Und tatsächlich, nachdem wir auch dort wieder in einer Schlange standen, wird uns endlich geholfen. Wir können der ganzen Sache noch nicht so trauen und machen uns wieder auf den Weg zurück zur Metrostation. Vorsichtig halten wir die Karte ans Drehkreuz und endlich leuchtet es grün auf. Wir haben es geschafft! Die Dreiviertelstunde war also nicht umsonst gewesen, auch wenn es das System den Touristen nicht gerade einfach macht. Zufrieden und auch etwas erschöpft sitzen wir endlich im Tram.